Studierendenparlaments-Sitzung vom 10.05.2012. Konstituierende Sitzung des 51.StuPa.

Am gestrigen Abend fand ab 20 Uhr die erste (konstituierende) Sitzung des 51.Studierendenparlaments in Gießen statt. Die Sitzung ging bis ca. 02.30 Uhr in der Nacht.
Im folgenden ein paar Informationen zu besprochenen Themen, welche das autonome Schwulen-Trans*-Queer-Referat betreffen:

1) Bestätigung der autonomen Referate:
Auf unserer Vollversammlung vom 27.04.2012 wurden Mario, Danny und Mara einstimmig gewählt.
Im gestrigen Studierendenparlament wurden wir drei bestätigt mit jeweils 25 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen und 0 Enthaltungen.

2) CSD-Antrag:
Auf der gestrigen Sitzung haben die Aids Hilfe Gießen, die Aids-Hilfe Marburg, das autonome queer-feministische Frauenreferat und wir einen Antrag auf Unterstützung des CSD-Mittelhessens gestellt. Wir beantragten 7500 Euro. Von Seitens der neuen AStA-Koalition (Uni Grün, Jusos, Unerse Uni.) wurde eine Senkung der Unterstützung auf 2500 Euro beantragt, welche das Parlament annahm. Begründet wurde dies damit, dass der CSD-Mittelhessen als externes Projekt angesehen wird und dass mit 7500 Euro ein großer Teil des Geldes, welches für externe Projekte vorgesehen ist, dann verplant wäre, da auch andere größere Projekte finanziell unterstützt werden (Globale Mittelhessen, Theatermaschine und weitere unterstützenswerte Theaterprojekte). Weiterhin wurde bedauert nicht mehr fördern zu können. Einer Gegenrede der Liste „Projekt Zukunft!“; dass vereinzelte CSDs (in Darmstadt, Kassel, usw.) zeitlich nah stattfinden (Darmstadt und Kassel jeweils am 18.08.2012) und dass das Geld für Projekte verwendet werden solle, in denen wirkliche Probleme der Studierenden angegangen wurden, wurde nicht entsprochen.
So stimmten insgesamt 2 der 31 stimmberechtigten Parlamentarier_innen gegen den Antrag auf Förderung von 2500 Euro, 4 Personen enthielten sich und 25 Parlamentarier_innen stimmten dafür.

Eine Erwähnung zur Unterstützung des CSD im Gießener Anzeiger.
Für Interessierte: Die nächste Sitzung des Studierendenparlaments findet am 31.05.2012, 20 Uhr, im Raum 6, Otto-Behaghel-Straße 25d, statt. (im AStA-Gebäude neben der Mensa).

Einladung zu Vortrag von Constance Ohms am 07.Mai

Dr. Constance Ohms wird am 07.Mai einen Vortrag mit dem Titel „Das Fremde in mir – Gewalt in homosexuellen Beziehungen“ halten. Die Veranstaltung findet um 19.00 in der Alten UB (Bismarckstraße 37) im Hörsaal AUB 1 statt. Für den Vortrag stehen zwei Gebärdensprachdolmetscher_innen zur Verfügung, die bei Bedarf simultan in die deutsche Gebärdensprache übersetzen. Das Vortragsgebäude ist rollstuhlgerecht.

In dem Vortrag geht Constance Ohms folgenden Fragen nach:

Gibt es überhaupt Gewalt in gleichgeschlechtlichen und trans* Beziehungen ?
* Wenn ja, warum wird darüber nicht gesprochen?
* Wenn ja, greifen die üblichen Erklärungsmuster von der Geschlechtsspezifik der Gewalt?
* Wenn ja, wie unterscheidet sich die Gewalt gegenüber heterosexuellen Paaren?
* Wenn ja, welche Anforderungen an Unterstützungssysteme stellen sich?

Zu Beginn und zum Abschluss des Vortrags wird jeweils ein Kurzfilm zu der Thematik gezeigt.

Dr. Constance Ohms leitet ein Forschungsinstitut des gemeinnützigen Vereins Broken Rainbow e.V. in Frankfurt am Main. Broken Rainbow e.V. wurde im Oktober 2002 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Schwerpunkte des Vereins sind Gewaltprävention und Antidiskriminierungspolitik und –arbeit. Broken Rainbow vertritt auf nationaler und internationaler Ebene die Interessen lesbischer Frauen. Das internationale sozialwissenschaftliche Forschungsprojekt in Frankfurt befasst sich mit Hasskriminalität, d.h. Gewalt gegen lesbisch lebende Frauen, und der Gewalt in lesbischen Partnerinnenschaften.
1993 publizierte Constance Ohms den Band „Mehr als das Herz gebrochen. Gewalt in lesbischen Beziehungen“. Es folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen zu dem Thema, zuletzt 2008 die soziologische Studie „Das Fremde in mir: Gewaltdynamiken in Liebesbeziehungen zwischen Frauen. Soziologische Perspektiven auf ein Tabuthema“.

Queerulant_in (Ausgabe 1)

Aus aktuellem Anlass:
Seit einigen Tagen ist die erste Ausgabe unseres Magazins „Queerulant_in“ erschienen. Mit Artikeln zu Hochschulpolitik, Schwulsein, der Trans*-Tagung, der Queeren Ringvorlesung, Queerer Pornographie und einem Interview über die Anfänge von schwulem und lesbischem Aktivismus in Gießen (Gruppe H).
Die_der Queerulant_in soll 2 mal im Jahr erscheinen, je nachdem, wie viele Personen sich zukünftig beteiligen werden. Momentan liegt die Zeitschrift im AStA, im Gartenhaus und im AK44/Infoladen aus.

Wer Interesse am Mitwirken hat, ist herzlich eingeladen. Die nächste Ausgabe könnte ab dem 01.August 2012 erscheinen.

Ab Anfang Mai wird ein PDF der Queerulant_in in verminderter Qualität online verfügbar sein. Bis dahin: Holt euch Queerulant_in in Druckform.

Vollversammlung des Schwulen-Trans*-Queer-Referats 27.04.2012

Auch hier nochmal die Erinnerung:

Am 27.04.2012, um 14 Uhr, findet die Vollversammlung des Autonomen Schwulen-Trans*-Queer-Referats im AStA der JLU Gießen statt.

Bei der Versammlung geht es um das Kennenlernen untereinander. Ausserdem wird über aktuelle und zukünftige Projekte gesprochen. So könnt ihr die Arbeit der Arbeitskreise der Queeren Ringvorlesung ebenso kennenlernen, wie beispielsweise des CSDs oder der Trans*-Tagung. Jede Person, die eigene Projekte im Referat verwirklichen möchte, kann diese hier jedoch auch einbringen.

Wie jedes Jahr finden darüber hinaus Wahlen statt. Da es momentan nur eine Person für die Referats-Stelle gibt, werden weitere Personen gesucht, die Interesse haben im Schwulen-Trans*-Queer-Referat einzusteigen.
Ein Vorbereitungstreffen zur Vollversammlung fand am 18.04., um 17 Uhr, im Gartenhaus statt. Bei diesem Treffen wurde darüber gesprochen, in wie fern wir miteinander oder auch gegeneinander, bei der Wahl antreten.

Die Wahl richtet sich an alle Personen, die sich als schwul, Trans* oder queer definieren und Student_innen an der JLU Gießen sind.

Vollversammlung Wann: 27.04.2012, 14 Uhr.
Vollversammlung Wo: Im Gartenhaus. Wegbeschreibung unter http://schwulenreferat.blogsport.de/kontakt/

Hinweis: Das Gartenhaus ist nicht rollstuhlgerecht.


Senat und Sprechstunde

Am morgigen 25.04.2012 wird im Senat eine Anfrage zu genitalverstümmelnden Maßnahmen an Kindern am UKGM behandelt. Da wir dort anwesend sein werden fällt die Sprechstunde des Referats leider aus.

Die Senatssitzung beginnt um 14 Uhr (Ludwigstraße 23, im Uni-Hauptgebäude) und kann unter Umständen länger gehen.

Veranstaltungen in den nächsten Tagen

Nach der Frühlingsgefühle-Party mit veganem Grillen und feucht-fröhlichem Beisammensein, folgte gestern eine Protestveranstaltung vor dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM). Zusammen mit der Menschenrechtsgruppe zwischengeschlecht.org waren wir mit dem FrauenLesben-Referat Marburg und dem autonomen queer-feminischen Frauenreferat Gießen einig in der Forderung: Keine Operationen mehr am UKGM an Kindern, die mit „uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen“ geboren werden. Ausserdem fordern wir eine Aufarbeitung der Praktiken am UKGM. Betroffene sollen später selbst entscheiden können, ob sie Operationen wollen. Unsere Forderung bezieht sich selbstverständlich nicht auf Operationen, die medizinisch notwendig sind. Die Operationen, die wir kritisieren sind in den überwiegenden Fällen kosmetische Operationen, welche medizinisch nicht notwendig sind, weitere Operationen zur Folge haben und vorallem einen langen Leidensweg für die Betroffenen.

In Marburg findet heute eine Informationsveranstaltung zum Thema Inters*x statt: Der Infoabend findet um 19 Uhr im Hörsaal 115 (+1/0120), Hörsaalgebäude, Philipps-Universität Marburg, statt.

Ein ähnlicher Vortrag wird am Dienstag in Gießen stattfinden: Im Café Giramondi, Bahnhofstraße 53, 35390 Gießen. 19 Uhr.

In Gießen wird am heutigen Montag (23.04.2012) der Einführungsvortrag der Queeren Ringvorlesung stattfinden. Diesen wird Dr. María do Mar Castro Varela halten. Thema ist: „Postkolonialismus und sexuelle Identität“. Ein bis jetzt nicht vielfältig beachtetes, jedoch spannendes Thema. In der Bismarckstraße 37 (Alte Universitätsbibliothek) findet der Vortrag um 19 Uhr statt.

Am Mittwoch werden wir dann eine Anfrag zum Thema Intersex in den Gießener Senat einbringen. Die Sitzung ist öffentlich und findet am 25.04.2012 um 14 Uhr im Universitäts-Hauptgebäude in der Ludwigstraße 23 statt. Mehr dazu unter www.zwischengeschlecht.info

Pressereaktionen auf die Proteste am Sonntag:
– Artikel mit Foto über unsere Proteste am 22.04.2012 vor dem UKGM. Gießener Anzeiger (Artikel vom 23.04.2012).
– Artikel mit Foto über unsere Proteste am 22.04.2012 vor dem UKGM. Gießener Allgemeine (Artikel vom 23.04.2012).

Zwei Fliegen mit einer Klappe (zum Senatsantrag bezüglich kosmetischen Genitaloperationen im Universitätsklinikum Gießen und Marburg)

PRESSEMITTEILUNG des Autonomen FrauenLesben-Referats im AStA Marburg

Zwei Fliegen mit einer Klappe

In der Senatssitzung der Universität Marburg am 16.04.2012 wurde als Tagesordnungspunkt 9 der Antrag „Stellungnahme des Senats zu kosmetischen Genitaloperationen im Universitätsklinikum Marburg / Gießen an Kindern und Jugendlichen“ von den Linken Listen und dem Autonomen FrauenLesbenReferat in Kooperation mit der Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org eingebracht.

Darin wurde der Senat und das Präsidium aufgefordert, eine öffentliche Stellungnahme zur Problematik von kosmetischen Genitaloperationen bei Kindern und Jugendlichen mit „atypischen“ körperlichen Geschlechtsmerkmalen abzugeben, eine Darstellung und Auseinandersetzung zum Ausmaß und Umfang dieser Praxis am Universitätsklinikum Marburg zu bewirken und sich für eine Untersagung dieser Praxis einzusetzen.

Schon zu Beginn der Sitzung wurde versucht dem Tagesordnungspunkt durch Streichung zu entgehen.

Neben den regulären Senatsmitgliedern waren Vertreter_innen der antragstellenden Gruppen sowie weitere Gäste anwesend. In den hinteren Reihen fanden sich Vertreter des Uniklinikums ein. Letztere waren vom Universitäts-Präsidium eingeladen worden, um den Umgang mit kosmetischen Genitaloperationen am Uni-Klinikum zu erläutern. Der (Chef?) Vertreter der Kinderchirurgie erklärte zunächst wie auch gegenüber der OP, dass nur medizinisch indizierte Operationen an Kindern und Jugendlichen durchgeführt würden. Um so erstaunlicher war dann seine Antwort auf eine detailliertere Nachfrage hinsichtlich des Vorgangs bei einer Operation der Harnwege (Hypospadie“korrektur“), in welcher er lapidar meinte, dass wenn während einer medizinisch notwendigen Operation die Möglichkeit einer kosmetischen Korrektur bestünde, man dann auch „zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt.“

Die Aufforderung des Präsidiums und verschiedener Senatsmitglieder „doch den Experten zu vertrauen“ erscheint durch die oben angeführte Äußerung in einem anderen Licht. „Natürlich werden in der medizinische Praxis diese Operationen nicht als kosmetische Genitaloperationen bezeichnet, sondern sie werden mit anderen Begriffen verschleiert“, kommentiert Petra Thesing, Senatorin der Linken Listen, die Ausführungen des Kinderchirurgen.

Angesichts solcher Äußerungen erscheint die Reaktion des Senats noch verwunderlicher zu sein. Viele Senatsmitglieder fanden das Thema zwar interessant und wollen sich weiter damit auseinandersetzen, dennoch wurde nur einer Darstellung und Analyse der gegenwärtigen und historischen Praxis in Marburg und der Umgang in der Lehre zugestimmt. Eine öffentliche Stellungnahme und eine klare Positionierung gegen nicht medizinisch notwendige Genitaloperationen bei Kindern und Jugendlichen wurde hingegen abgelehnt.

ANTRAG: Stellungnahme des Senats zu kosmetischen Genitaloperationen im Universitätsklinikum Marburg / Gießen an Kindern und Jugendlichen

Kosmetische Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen, die sogenannte „atypische“ körperliche Geschlechtsmerkmale aufweisen, haben für viele der Betroffenen verheerend psychische und physische Folgen. Darunter fallen Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit, schmerzende Narben im Genitalbereich, gesundheitliche Schäden infolge der Kastration und Traumatisierung durch aufgezwungene Behandlungen.

Seit Jahren kritisieren u.a. die Deutschen Sektionen von Amnesty International und Terre des Femmes diese Eingriffe als menschenrechtswidrig und unterstreichen die Parallelen zur weiblichen Genitalverstümmelung.1 Ebenso rügten die UN-Komitees CEDAW und CAT Deutschland wegen Nichteinhaltung ihrer Schutzpflicht gegenüber den betroffenen Kindern und Jugendlichen.2

Wir sehen diese medizinischen Eingriffe als eine starke Beschneidung des Rechts von Kindern und Jugendlichen auf körperliche Integrität und Lebensqualität, insbesondere im Bereich des sexuellen Empfindungsfähigkeit, und die freie Entwicklung der Persönlichkeit, sowie des Rechts von Kindern und Jugendlichen auf Partizipation bzw. Selbstbestimmung. In verschiedenen Ländern, wie der Schweiz und Deutschland, wurde aktuell die ethische Überprüfung von kosmetischen Genitaloperationen veranlaßt. In der BRD veröffentlichte der Deutsche Ethikrat im Auftrag der Bundesregierung am 23. Februar dieses Jahres eine Stellungnahme „Intersexualität“3, die das physische und psychische Leiden der Betroffenen von kosmetischen Genitaloperationen und –behandlungen anerkannte und einen anderen Umgang mit nicht-eindeutigen körperlichen geschlechtlichen Merkmalen forderte4. Zudem forderte der Deutsche Ethikrat dazu auf, den Betroffenen Entschädigungsleistungen zukommen zu lassen5 und im gleichen Zuge die Verjährung analog den bereits bestehenden Gesetzen betreffend sexualisierte Gewalt an Kindern und Schutzbefohlenen auszusetzen.6

Um den Umfang und das Ausmaß an kosmetischen Genitaloperationen nachvollziehen zu können, bedarf es ebenfalls einer historischen Betrachtung. Prof. Dr. Hans Naujoks, der ab 1926 als Oberarzt und Professor auch in Marburg und später als Leiter der Frauenklinik in Köln tätig war, beispielsweise führte bereits Genitaloperationen und künstliche Hormonbehandlungen an Kindern und Jugendlichen durch und publizierte einige Studien zu dem Thema. In einer Dissertation von 1996 wurde in diesem Zusammenhang eine Publikation von Hans Naujoks aus dem Jahr 1934 hervorgehoben, die eine „[Klitoris-]Amputation mit Stumpfbildung“7 in Verbindung mit einer experimentelle Fertilitätsbehandlung mit künstlichen Hormonen schilderte. Erst vor Kurzem wurden seine Methoden und Ansätze u.a. vom Deutschen Ethikrat als „rassistisch motivierte medizinische Operationen an intersexuellen Menschen“ (Dt. Ethikrat, 19.7.11) kritisiert.8 Der Umgang mit derartigen medizinischen Praxen zeigt eine Kontinuität in der Behandlung von intersexuellen Menschen mit nicht-eindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen auf, die zurück bis in die NSZeit in Deutschland reichen.

Auch an den Universitätskliniken in Gießen und Marburg werden weiterhin in Bereichen der Endokrinologie, Kinderchirurgie und Kinderurologie kosmetische Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen durchgeführt, u.a. Hypospadiekorrekturen, Klitoris- und Vaginalplastiken und chirurgische Hodenverlagerungen. Auch am Klinikum Fulda, dem Akademischen Lehrkrankenhaus der Philipps-Universität Marburg, werden in der Fachabteilung der Kinderurologie regelmäßig Hypospadiekorrekturen und chirurgische Hodenverlagerungen durchgeführt.9 experimentelle Fertilitätsbehandlung mit künstlichen Hormonen schilderte. Erst vor Kurzem wurden seine Methoden und Ansätze u.a. vom Deutschen Ethikrat als „rassistisch motivierte medizinische Operationen an intersexuellen Menschen“ (Dt. Ethikrat, 19.7.11) kritisiert.8 Der Umgang mit derartigen medizinischen Praxen zeigt eine Kontinuität in der Behandlung von intersexuellen Menschen mit nicht-eindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen auf, die zurück bis in die NSZeit in Deutschland reichen. Auch an den Universitätskliniken in Gießen und Marburg werden weiterhin in Bereichen der Endokrinologie, Kinderchirurgie und Kinderurologie kosmetische Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen durchgeführt, u.a. Hypospadiekorrekturen, Klitoris- und Vaginalplastiken und chirurgische Hodenverlagerungen. Auch am Klinikum Fulda, dem Akademischen Lehrkrankenhaus der Philipps-Universität Marburg, werden in der Fachabteilung der Kinderurologie regelmäßig Hypospadiekorrekturen und chirurgische Hodenverlagerungen durchgeführt.9

Wir fordern den Senat und das Präsidium der Philipps-Universität Marburg auf:

– eine öffentliche Stellungnahme gegen nicht medizinisch notwendige Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen und nicht medizinisch notwendigen Hormonbehandlungen an Kindern und Jugendlichen abzugeben.

– eine öffentlich zugängliche Darstellung des Umfangs, dem (historischen) Ausmaß und der Dauer von kosmetischen Genitaloperationen zu bewirken. Dies beinhaltet zudem eine Analyse über den Umgang mit kosmetischen Genitaloperationen in der Lehre.

– Des weiteren fordern wir den Senat der Philipps-Universität Marburg auf sowohl in der medizinischen Ausbildung als auch am Universitäts-Klinikum der Universitätsstadt Marburg und deren Zweigstellen darauf hinzuwirken, dass diese Operationen und Behandlungen als Bestandteil der medizinischen Praxis untersagt werden.

1 – Amnesty International, Sektion Deutschland: Vgl. Beschluss der Jahresversammlung 2010. http://www.mersihamburg.

de/Main/20100526001

– Konstanze Plett: „Die Macht der Tabus“, amnesty journal 03/08, S. 23.

– Terre des Femmes Deutschland: Vgl. Marion Hulverscheidt: „Weiblich gemacht? Genitalverstümmelung bei afrikanischen Frauen und bei Intersexuellen“, in: TDF- Menschenrechte für die Frau 3/4/2004, S. 23-26.

Auch internationale FGM-Expertinnen unterstreichen seit Jahren die Parallelen zur weiblichen Genitalverstümmelung, vgl.:

– Hanny Lightfoot-Klein: „Der Beschneidungsskandal“. Berlin: Orlanda, 2003

– Hana Asefaw/Daniela Hrzán: „Genital Cutting – Eine Einführung“, in: ZtG Bulletin 28, Berlin 2005.

2 Abschliessende Bemerkungen des UN-Komitees zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau zum 6. Staatenbericht der Bundesrepublik Deutschland(CEDAW/C/DEU/CO/6), Punkte 4, 61, 62 und 67. http://www2.ohchr.org/english/bodies/cedaw/docs/co/CEDAW-C-DEU-CO6.pdf

3 http://www.ethikrat.org/dateien/pdf/stellungnahme-intersexualitaet.pdf .

4 Empfehlung 6 und 7 zur medizinischen Behandlung, Stellungnahme „Intersexualität“ S. 174.

5 Vgl. Abschnitt 8.3.8.1. „Entschädigungsfonds“, Stellungnahme „Intersexualität“ (S. 164-166).

6 Empfehlung 14 zur medizinischen Behandlung, Stellungnahme „Intersexualität“ S. 176.

7 Dominik Leitsch: „Die Intersexualität. Diagnostik und Therapie aus kinderchirurgischer Sicht.“ Dissertation, Köln 1996, S. 47. Die von Leitsch angesprochene Publikation: Hans Naujoks: „Über echte Zwitterbildung beim Menschen und ihre Beeinflussung“, in: Zeitschrift für Geburtshülfe und Gynäkologie Nr. 109/2, S. 135-161.

Proteste gegen Menschenrechtsverletzungen an Inters*x-Personen: Marburg + Giessen 15.-25.04.2012

Momentan ist wieder viel los, aber so ist es halt: Das Semester hat begonnen und neue Aktionen beginnen.
Zusammen mit anderen studentischen Gruppen protestieren wir binnen der nächsten 2 Wochen nächsten gegen die übliche Praktik an Kliniken, dass Kinder, deren Geschlechtsmerkmale „nicht eindeutig“ sind, im Kindesalter zurechtgeschnitten werden: Der Auftakt beginnt am Sonntag, dem 15., mit Friedlichem Protest: 14-17h Universitätsklinikum Marburg, Haupteingang, Baldinger Straße, 35043 Marburg.

Weitere Informationen erhaltet ihr zeitnah hier und über www.zwischengeschlecht.org

http://blog.zwischengeschlecht.info/public/NZZ-Format_Unvers_490x276.jpg

Marburg 15.+16.+23.4.2012:
• Friedlicher Protest: So 15.4.2012 14-17h Universitätsklinikum Marburg, Haupteingang, Baldinger Straße, 35043 Marburg
• Öffentliche Senatssitzung: Mo 16.4. 14:15h Senatssitzungssaal
>>> Antrag Nr. 06-195 + Tagesordnung (–> TOP 9)
• Infoabend: Mo 23.4.2012, 19h Hörsaal 115 (+1/0120), Hörsaalgebäude, Philipps-Universität Marburg

• Gießen 22.+24.+25.4.2012: Friedlicher Protest: So 22.4.2012 Mehr in Kürze. Infoabend: Di 24.4.2012 19h Mehr in Kürze. Behandlung im Senat: Mi 25.4.2012 Mehr in Kürze.
Helft mit, die TäterInnen daran zu erinnern, dass wehrlose Kinder zu verstümmeln NICHT OK ist! Wir sehn uns, wo die Action ist …